Wie ich mein Bein verlor

Mich störte seit 15 Jahren mein linkes Bein.

Wie nahezu jeder habe ich, im Rahmen meiner Berufsausbildung, eine Berufsschule besucht. Dort habe ich wie die Meisten auch am Sport unterricht teilgenommen. Leider passierte eines Tages ein kleiner aber, wie sich herausstellen sollte, folgenschwerer Unfall.

Abriss des Meniskus.

Eigentlich eine Kleinigkeit aber leider ging einiges schief. Im ersten Jahr wurde ich bereits 3x an dem betreffenden Knie operiert. Es folgten Jahr für Jahr weitere OP's, bis eines Tages mir ein Arzt eröffnete, das es da nicht mehr viel an Knorpel gab den man hätte bearbeiten können.

Es wurde also versucht den betroffenen Bereich zu entlasten indem man, grob erklärt, das Bein absägt, die Achse verändert und es wieder mit Platten zusammenfügt. Ist genau so schmerzhaft, wie es sich anhört!

Dieser Versuch war nicht von sonderlich viel Erfolg gekrönt.

2 Jahre später folgte der erste Knieersatz, wieder ein Jahr später der Zweite und ein Jahr darauf der Dritte.

Nach dem Zweiten kam zu den ohnehin schon großen Problemen beim Laufen auch noch die Unangenehme Tatsache, dass mein Bein krumm und stocksteif war.

Diagnose Arthrofibrose. Über 30 Op’s und Drei Knieprothesen. Strahlentherapie und tägliche Physiotherapie gegen das wuchernde Narbengewebe. Die Seele bleibt von sowas nicht unberührt. Doch statt neue Perspektiven zu eröffnen, zerstörte eine Psychotherapie fast meine Ehe. Doch wir am Niedrrhein sind im Allgemeinen nicht so wehleidig, wie im Rest der Republik. Bar jeder konkreter Aussicht auf Besserung dachte ich mir, ´das wird schon`. Denkste. Trotz aller Behandlung. Das Bein wurde immer steifer. Mit Hilfe von außen gingen gerade noch 20Grad Beugung. Zudem wurden die Schmerzen immer unerträglicher. So wurde ich mal wieder auf ein Morphin eingestellt.

 

Anfang Oktober 2015 musste ich zur Nachbesprechung der Bestrahlung, mit dem Fazit, keine Haare mehr im bestrahlten Bereich, nach einer weiteren Bestrahlung ein Krebsrisiko von nahezu 100% und einen Ratlosen aber sehr coolen Niederländischen Facharzt für Strahlentherapie, der sagte „ was willst du noch mit dem Bein? Das wird eh nie wieder.“ Das war der Punkt an dem ich mit meiner Frau ernsthaft über das Thema Amputation nachgedacht habe. Vorher hatte ich bereits intensiv mit meinem Physiotherapeuten darüber gesprochen und er war immer der festen Meinung ich würde das auch noch schaffen (was? Die Amputation?). Wirklich? Nach 15 Jahren auch das noch?

Aber wir haben es gewagt!

Was hatten wir zu verlieren?? Es war steif und äußerst schmerzhaft. Von daher was sollte passieren?

Ich konnte bei diesem Spiel nur gewinnen. 

 

Also habe ich mit meinen Ärzten meine Sicht der Dinge besprochen und zu meinem Glück konnten sie meiner Argumentation folgen.

 

Nach div. Tests, auch meiner Psyche, gaben sie ihr O.K.

Am 15.12.2015 begann mein neues Leben!!

 

Bis Heute bereue ich nichts!!!

Tweets von Matthias Wagner @AmputeeAction
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